Psychologen beim Frühstück

Psychologen beim Frühstück

Folge 328: Siehst Du mich?

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Folge 328: Siehst Du mich?

Gesehen zu werden ist kein Luxus, sondern ein psychisches Grundbedürfnis.

In dieser Folge sprechen wir darüber, warum der Mensch sich nur dann frei entwickeln kann, wenn er sich als Individuum wahrgenommen und innerlich anerkannt fühlt.

Wir gehen der Frage nach, was passiert, wenn dieses Gesehenwerden ausbleibt: Warum Kinder sich klein machen, versuchen perfekt zu werden oder um sich schlagen – und warum diese Muster oft ein Leben lang nachwirken, bis ins Erwachsenen- und Rentenalter. Oder sich manchmal auch erst im Erwachsenenalter entwickeln können. Dabei betrachten wir familiäre Rollen, Bindungserfahrungen und die stillen Strategien, mit denen Menschen versuchen, zu überleben und vielleicht doch gesehen zu werden.

Anhand zentraler Konzepte aus der Bindungstheorie, der Individualpsychologie und der systemischen Familientherapie – unter anderem nach Donald Winnicott, John Bowlby, Virginia Satir und Alice Miller – beleuchten wir, wie Identität, Selbstwert und Freiheit entstehen und was ihnen im Weg steht.

Eine Folge über das leise, existenzielle Bedürfnis, wahrgenommen zu werden.

Was habt Ihr für Erfahrungen zu diesem Thema gemacht? Schreibt uns gern in den Kommentaren dazu.

Wir wünschen Euch eine spannende neue Woche,

Annika + Tilly


Kommentare

by Andreas on
Hallo! Die Episode fand ich sehr gut! Hab mich in vielem wiedererkannt. Was z.B. bei mir der Fall ist/war, dass aus der Strategie durch besondere Leistungen und vorauseilender Erfüllung der (vermeintlichen) Erwartungen der Eltern/Anderer oder durch Pseudo-Autonomien (das war irgendwann das Besondere an mir) auf Dauer nur noch das "Anpassungsselbst" übrig war. Da dieses Anpassungsselbst auch das gesamte Feedback, Wahrnehmung und Liebe eingeheimst hat, ist das "authentische" Selbst irgendwie verschüttet worden. Es ging verloren bzw. entzieht sich meinem Zugang. Von daher fällt es mir extrem schwer zu einer Kohärenz zu finden, die Freiheit und Autonomie bedeuten kann. Ich kann derzeit nicht wirklich ein echtes Selbst zeigen, was gesehen werden könnte. Ich seh es ja selbst nicht (mehr). Was sagt die Theorie dazu, wie es hier weiter gehen kann? Danke euch beiden!
by Beate Hbm aus Berlin on
Liebe Annika, lieber Michael! eine ganz tolle und wichtige Folge, die Ihr heute gemacht habt!!!! :-) Es erinnert mich auch an mein Studium (Kunsttherapie mit einem großen Teil Entwicklungspsychologie). Ich bin mit Rene Spitz " vom Säugling zum Kleinkind" aufgewachsen, da mein Adoptivvater es als Lektüre zu mir als adoptiertes Kind studierte. Als ich bei den Adoptiveltern ankam (9,5 Monate), habe ich keine Nähe zulassen können. Ich habe lauter geschrien, wenn sie mich auf den Arm nahmen, sie mussten mich runter setzen und ich beruhigte mich alleine robbend auf dem Teppich. Leider driftete bei meinem Vater Theorie und Praxis in seiner Erziehung auseinander.... Er schaffte es nicht, mich wirklich "zu sehen". Da ich das damals unbekannte FASD hatte und heute noch habe, war es sehr schwierig für ihn, meine Belastungsgrenzen zu akzeptieren (ich wurde gefördert, gefordert, aber leider auch viel überfordert). Auch in der späteren Arbeit im Sozialen (Seniorenbetreuung), wurde kaum gesehen, was wir Betreuer alles gemacht haben für die Bewohner. Schade.... Wenn in Bus und Bahn Kleinkinder oder Babys sind, die unruhig werden, weinen und die Eltern es ignorieren, muss ich automatisch mich mit denen beschäftigen. Faxen machen, "Spiegeln", etc. Mir tun sämtliche Babys mit glattgestrafften Müttern leid und es wird mir manchmal angst und bang, wenn ich daran denke, das immer mehr Frauen sich "glätten" lassen und was das mit den Babys macht..... Nun bin ich erwerbsgemindert in Grundsicherung, habe Zeit und Muße und werde von meinem jetzigen Partner fast bedingungslos geliebt und gut gesehen! :-) Ich habe ein enormes Kuschelbedürfnis, was auch angenommen wird! Dennoch brauche ich immer wieder Abstand und meine Ruhephasen und das Alleinsein. Ich werde in Zukunft nur noch ehrenamtlich, in meinem Belastungsrahmen mit einzelnen Senioren arbeiten und so kann ich besser sie sehen und auf sie eingehen. Und ich werde dann auch besser gesehen. Das tut dann beiden Seiten gut und erfreut das Herz. Ihr seid auch so liebenswert und ich freue mich weiter auf so interessante, immer wieder auffrischende und schöne Folgen! Ich liebe euer Wissen und Humor sehr!!! Wünsche Euch eine gute Woche, bis in einer Woche :-) Grüße von Beate

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Über diesen Podcast

Psychologen beim Frühstück belauschen, wie sie über die Themen reden, die sie gerade beschäftigen: Von der "Psychologie des Lügens", über "Energievampire" und das Streitthema "Ordnung" bis hin zur "Macht des Vergebens". Immer persönlich, immer menschlich aber mit psychologischen Erklärungsversuchen, warum wir uns wie verhalten.

Unsere Zuhörer lieben es, mit uns auf den Ohren zusammen zu frühstücken:
"Danke für die Sendung !
Ich habe ein neues Hobby am Sonntagmorgen: Bügeln und Eure Sendung hören. Beides sehr erbaulich :)"(Alwin)

"Ich muss mal hier was los werden.Euro Radio Sendung ist der voll Hammer.
Es gibt mir so viel Kraft für die Woche um das Leben zu bestehen" (Christian)

"Hach...Ihr seid immer wieder ein Genuß" (Jens)

"Vielen Dank. Ein sehr schönes und interessantes Thema zum Start und eine tolle Idee. Ihre Formate bringen einen immer weiter und es man lernt eine ganze Menge dazu."(Tiger11969)

...und wer uns nicht nur hören sondern auch sehen will, schaltet jeden Mittwoch ab 19.00 "TheraThiel" auf YouTube ein.

Und natürlich freue wir uns auf viele Kommentare und Bewertungen. Klickt dazu mal hier: http://getpodcast.reviews/id/1392433517

von und mit Annika Lohstroh, Michael Thiel

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